Es ist wieder so weit…
Seit dem vergangenen Jahr freue ich mich schon auf den Ironman 70.3. Es ist wirklich ein atemberaubend schöner Triathlon in Zell am See-Kaprun. Aus dem Jahr 2025 hatte ich noch eine Rechnung offen, denn mit meinen Leistungen beim Schwimmen und Laufen war ich damals nicht zufrieden. 17 Minuten musste ich gutmachen, um unter sechs Stunden zu bleiben. Das musste doch machbar sein.
Da ich heuer für den Vienna City Marathon trainiert habe und auch deutlich öfter schwimmen war, sollte das eigentlich möglich sein. Allerdings entzündete ich mir durch die Marathonvorbereitung die Knochenhaut am Schienbein und musste deshalb im Mai und Juni pausieren.
Am Freitagabend ging es mit dem Welcome Event los: dem Austria Night Run Zell am See über 4,1 Kilometer. Mit einer Zeit von 17:27 Minuten war ich ganz zufrieden, vor allem weil ich mir noch ein paar Körner für Sonntag aufsparen wollte.
Der Samstag stand ganz im Zeichen der Erholung. Neben etwas Chillen war nur eine kleine Radtour angesagt, inklusive der letzten 30 Kilometer der Ironman-Strecke. Ein Sturz in einem Kreisverkehr ging glücklicherweise glimpflich aus. Nur ein paar Schürfwunden und eine leicht blaue Hüfte blieben zurück. Das Rad hat es ebenfalls gut überstanden.
Bis 18:00 Uhr musste das Rad eingecheckt werden, danach hieß es: ausruhen für den großen Tag.
Sonntagmorgen ging es entlang des Zeller Sees zur Wechselzone, wo wir alles final vorbereiteten. Dann schlüpfte ich in den Neoprenanzug und ging zum Einschwimmen, beziehungsweise eher zum Fluten und direkt weiter in den Startbereich.
Lila Badekappe auf und ab ins Wasser.
Wie bei jedem Wettkampf musste ich zunächst meinen Rhythmus finden, anderen Athleten ausweichen und mir meine Linie suchen. Eigentlich wollte ich außen schwimmen, um etwas mehr Ruhe zu haben. Allerdings hatten offensichtlich viele dieselbe Idee. Also entschied ich mich spontan für die Innenbahn und blieb möglichst nahe an den Bojen.
Nach etwa 400 Metern fand ich schließlich meinen Rhythmus und kam gut ins Schwimmen. Bei der Hälfte der Strecke stand die Wende an. Diesmal wollte ich bewusst nicht auf die Uhr schauen, um mich nicht wie 2025 zu ärgern und ständig darüber nachzudenken, warum ich vermeintlich zu langsam bin. Also einfach wenden und Richtung Wechselzone.
Aus dem Wasser raus, zum Wechselbeutel, Radkleidung an und ab zum Rad.
Durch Zell am See ging es zunächst auf die Bundesstraße. Bereits nach einem Kilometer verlor ich meine Wasserflasche. Damit blieben mir nur noch zwei Iso-Flaschen bis zur Verpflegungsstation bei Kilometer 32.
Bis nach Lend ist die Strecke extrem schnell und man kann ordentlich Druck machen. Ab dort beginnt jedoch der 13 Kilometer lange Anstieg Richtung Filzensattel. Da ich die Strecke bereits kannte, wusste ich genau, wo ich Gas geben und wo ich Kräfte sparen musste.
Kurz vor dem Filzensattel fragte ich mich allerdings, ob ich tatsächlich absteigen und schieben müsste, weil ich plötzlich nicht mehr herunterschalten konnte. Aber das kam definitiv nicht infrage. Also schaltete ich zwei Gänge höher, ging in den Wiegetritt und kämpfte mich weiter nach oben.
Geschafft.
Die Stimmung entlang des Anstiegs war sensationell. Die Zuschauer peitschten einen förmlich den Berg hinauf und gaben so viel Motivation, dass man einfach durchziehen musste.
Danke an alle!
Oben angekommen ging es vom Filzensattel größtenteils bergab, nur unterbrochen von einigen kleineren Anstiegen auf den verbleibenden 55 Kilometern.
Mit meinen Felgenbremsen fühlte sich die Abfahrt teilweise etwas abenteuerlich an. Zweimal hatte ich das Gefühl, dass das Rad trotz Bremsen einfach weiter beschleunigt. Gewicht bedeutet Geschwindigkeit, aber bei bis zu 17 Prozent Gefälle ist das für die Bremsen nicht gerade optimal.
Die beste Stimmung herrschte in Zell am See und Schüttdorf. Dort jubelte das Publikum wie verrückt, als würde man bereits auf die Zielgerade einbiegen. Das war einfach der Wahnsinn. Solche Momente pushen mich enorm und geben mir nochmals zusätzliche Energie.
Die letzten Kilometer auf dem Rad verliefen souverän. Dank der Besichtigungsrunde vom Vortag hatte ich die Strecke noch bestens im Kopf. Als die Markierung von Mountline in Sicht kam, wusste ich: Jetzt wird gelaufen.
Rad abstellen, Laufbeutel schnappen und auf die Strecke entlang des Zeller Sees.
Mein Ziel war simpel: Das Laufen sollte endlich einmal ohne Jammern funktionieren.
Der erste Kilometer in 4:50 Minuten war eindeutig zu schnell. Danach pendelte sich das Tempo planmäßig bei etwa 5:15 Minuten pro Kilometer ein.
Wenn ich dieses Tempo halten könnte, wäre das ein Traum.
Bis Kilometer drei fühlte ich mich richtig gut, dann wurden die Waden zunehmend hart.
Bitte kein Krampf. Das kann ich jetzt wirklich nicht brauchen.
An den Verpflegungsstationen, die etwa alle 2,5 Kilometer aufgebaut waren, versuchte ich meinem Körper genau das zu geben, was er gerade benötigte. Zum Glück funktionierte das hervorragend und ich konnte meine Zielpace weiterlaufen.
Ab in die zweite Runde.
Jedes Mal, wenn es durch die Zeller Altstadt ging, gaben die Zuschauer einem so viel Energie, dass Müdigkeit praktisch keine Chance hatte. Dieses Gefühl, förmlich durch die Menge getragen zu werden, ist einfach unglaublich.
Ab Kilometer 14 wurden die Oberschenkel zunehmend härter und auch die Nieren machten sich bemerkbar. Also gab es an den nächsten Verpflegungsstationen Salzwasser, Melone, Bananen, Cola und Wasser.
Genau das brauchte ich.
Die Beine wurden wieder besser und auch die Nieren beruhigten sich. Danach purzelten die Kilometer nur noch dahin.
16 … 17 … 18 … 19 …
Okay, die letzten zwei Kilometer noch einmal alles geben und sauber ins Ziel bringen.
Ein letztes Mal durch die Altstadt, hinein in die tobende Menschenmenge und auf die Zielgerade.
Noch einmal beschleunigen und den Zieleinlauf genießen.
Bernhart Klam – 5:46:11
WOW!
Damit hatte ich überhaupt nicht gerechnet.
Während des gesamten Rennens schaute ich bewusst nicht auf die Zeit. Ich kontrollierte lediglich, ob die automatische Disziplinumschaltung funktionierte und behielt beim Laufen meine Pace im Auge. Von Zwischenzeiten oder der Gesamtzeit wollte ich nichts wissen.
Ich wollte mich nicht ärgern, falls ich die sechs Stunden nur um wenige Minuten verpassen würde.
Doch dass ich am Ende mehr als 31 Minuten schneller als 2025 war, hat mich einfach überwältigt.
Ich war so stolz auf mich, dass mir sogar die Tränen in die Augen stiegen.
Was für eine unglaubliche Zeit!
Nächstes Jahr werde ich nicht in Zell am See starten. Aber eines ist sicher:
Es war nicht das letzte Mal. ❤️
PS: Beim letzten Anstieg vor dem Filzensattel war die Garmin offenbar überzeugt, dass ich bereits in der Wechselzone angekommen bin und wollte schon auf die nächste Disziplin umschalten. 😄
PPS: Ich muss schauen, dass ich die Labstationen durchlaufe und nicht durchmarschiere. Das sind wertvolle Sekunden auf den Kilometer, das macht sich am Ende doch bemerkbar. Der Schnitt war dann doch 5:23/km






