Seit mittlerweile 5 Jahren gehört der Donautrail zu einem unserer Fixpunkte im Wettkampfjahr. Nicht weil wir die supertollen Bergläufer sind, sondern weil es eine Veranstaltung ist, die an guter Organisation, Freundlichkeit, nettem Empfang, tollen Mitstreitern und guter Labe-Verpflegung nicht zu übertreffen ist.
Da wir uns letztes Jahr mit dem 35km Run versöhnt haben, indem wir unsere Zeit unterboten und uns danach auch noch so halbwegs wie Menschen gefühlt haben, wollten wir diesmal mit dem 55er unseren Frieden machen.
Die Anmeldung wurde flott erledigt- das Streckenprofil (55km und 1700 HM ) hängen wieder am Naschkasterl um uns jedes Mal, bevor wir uns daran bedienen zu erinnern, dass das ganze Gewicht auch wieder die Berge hochmuss. Dies klappt mal gut …. Meistens eher nicht… und so wird mit der Steigerung der Trainingsdistanz auch der Verbrauch an Schokolade immer mehr. Vielleicht sollten wir fürs nächste Trainingsjahr den Kauf von Aktien der „Lila Kuh“ andenken 😊
Heuer hat uns leider die Krankheitswelle zum Totalausfall von fast 3 Monaten gezwungen. Trotzdem haben wir beschlossen, dass wir das schon irgendwie schaffen. Mit unserer Erfahrung halt 😁
Mit dem Papa Taxi geht’s diesmal in die Linzer Tabakfabrik. Neuer Stand von Start und Ziel ist heuer dort. Ich kenns ja von diversen Ausstellungen aus der Schulzeit und fühl mich gleich wieder wie dahoam. Relativ flott holen wir die Startnummern und können, wie immer, alles was wir als Starterpack bekommen bequem verstauen oder schon vor dem Start futtern. Nachhaltigkeit wird beim Donautrail großgeschrieben und dies finden wir echt klasse. Keine unnötige Werbung- kein Klumpt das ma sowieso nur wegschmeißt- Alubecher, Stirnband, Startnummer, Müsliriegel- Mehr braucht ma sowieso nicht.
Um 8 Uhr morgens starten wir los. Wir sind wettertechnisch etwas verunsichert. Ein wunderschöner Tag mit 15 Grad ist angesagt, aber da wir ja wissen, dass wir bis zum Sonnenuntergang unterwegs sein werden, haben wir trotzdem langes Gwand und Jacke an. Zwiebellook ist bei einem Lauf wie diesem Pflicht auch wenn man dazwischen nimma weiß, wo man das ganze Zeug noch einpacken soll. 2L Trinkrucksack, 11 Gels, Stirnlampe, Warnweste, Haube, Alubecher, erste Hilfe Paket…. Da schleppt man schon einiges mit sich rum, was das Wettkampfgewicht automatisch erhöht. Und wieder mal stellt sich die Frage, ob der Griff ins Naschkasterl wirklich so eine gute Idee war….Heuer können wir uns allerdings auch ein bissi rausreden. Wir haben von unserem Sohnemann einen Glücksbringer, „Schali“ mitbekommen. Und der war Schuld am erhöhten Wettkampfgewicht.
Wir starten relativ gut los. In der Ebene und Berg ab laufen wir. Alles, was Berg- auf geht gehen wir, um uns die tolle Landschaft und die megageile Häuser anzuschauen. (Nicht weil wir immer noch nicht bergauf laufen können 😊 ) Und natürlich müssen wir „Schali“ ja auch die Gegend zeigen 🤣… da können wir nicht so einfach durchflitzen…. So verfliegen die KM und wir kommen bei der ersten Labe – Der Gis- gut an. Hier gibt’s gleich mal Schokowaffeln und Iso. Ein Highlight in der Fastenzeit, die wir heuer ganz besonders ernst nehmen und auf jegliches Naschzeug verzichten. Beim Donautrail allerdings machen wir jedes Jahr eine Ausnahme!
Auch den Weg zur zweiten Labe beim Freiseder am Pöstlingberg haben wir gut geschafft. Obwohl dies immer unser „Horrorstück NR 1“ am Streckenplan ist, haben wir es heuer relativ gut bezwungen. Vielleicht liegts auch daran, dass wir mit so vielen netten Menschen geplaudert haben, dass wir fast vergessen haben, was vor uns liegt.
Beim Freiseder treffen wir auch Christoph den Veranstalter. Er drückt mich, Küsschen links, Küsschen rechts — Mittlerweile hat man fast das Gefühl als kennt man sich ewig!!! Er nimmt sich- wie immer Zeit und wir plaudern ein bissi- Irgendwann fällt uns allen ein warum wir eigentlich da sind und jeder geht wieder seines Weges.
Nach dem Pöstlingberg kommt die Trennung und die lange Partie läuft relativ einsam quer Feld ein. Diesen Punkt finden wir immer besonders toll, da wir dann meist nur zu zweit durch die Gegend stiefeln. Wieder ein Vorteil, wenn man so im Mittelfeld tümpelt- die schnellen sind schon weg und die langesamen holen uns erst später ein wenn wir nimma können.
Es wir immer wärmer und wir ziehen aus was möglich ist. In Ottensheim wird’s wirklich heiß und wir überlegen ob wir uns irgendwo ein Eis holen sollen. Aber wir sind ja ned wegen dem guten Eisbecher da und so traben wir weiter. Die Strecke kam uns beim letzten Mal noch furchtbar langweilig vor. Heuer bei schönem Wetter ist das schon ganz anders. Und diesmal sind auch mehr Leute unterwegs. So verfliegt die Zeit bis zum Kraftwerk und wieder zurück. Auch sind unsere Blicke diesmal auf die megageilen Rennräder fixiert, die uns überholen und entgegenkommen. Die Strecke ist befahren wie die A4 im Berufsverkehr und jetzt wissen wir auch wo die Linzer Triathleten Radfahren.
Vom Kraftwerk zurück kommt dann der Dämpfer. Horst hat Schmerzen im Oberschenkel und in der Hüfte. Kein Laufen mehr möglich…. Obwohl die Strecke so schön gerade dahingeht und einem das gute Wetter doch so mitreißt, geht’s einfach nimma. Wir schalten einen Gang zurück und zeigen auch der „Schali“ dort im Wandertempo die Gegend. 15 Minuten früher als beim letzten Mal treffen wir aber in Wilhering beim Stift ein. Wir freuen uns, weil wir NOCH der Meinung sind, dass wir das heute locker packen…. Aber man soll ja den Tag nicht vor dem Abend loben heißts…
Wir laben uns schon etwas länger und machen uns nach ganz viel Mohnstrudel auf zum letzten Stück…. „Horrorstück NR 2“ der Prinzensteig. Er ist diesmal nicht so gatschig und rutschig wie beim letzten Mal, aber trotzdem nicht weniger gefährlich. Man ist müde und ausgelaugt, die Konzentration lässt nach und die Krämpfe in den Beinen setzten ein…. Da ist der Steig nochmal eine Herausforderung. Eine nette Wanderin beglückwünscht und zu unserer Leistung bisher und meint wie man überhaupt so weit laufen kann. Horst meint:“ In der Ebene und bergab geht’s schon. Aber bergauf und da den Steig kann man sowieso nicht laufen.“ Wie von Zauberhand beschworen springt ein graziler Läufer im Tempo einer Gazelle an uns vorbei und wir sehen nur die Wolken wie beim Speedy Gonzales aufsteigen…. Ok na dann wäre Laufen doch möglich gewesen….Beim nächsten Mal dann. Am Steig merken wir schon, dass es, wenn wir in dem Tempo weitermachen, nix wird mit dem Unterbieten der Zeit. Aber Sicherheit geht vor und somit bleiben wir im Wanderschritt und schneller wär‘s sowieso nicht mehr gegangen. Als wir dann ins Zaubertal kommen, merken wir wie müde wir eigentlich sind. Diesmal muss ich wenigstens nicht vor Verzweiflung heulen, aber überglücklich bin ich auch ned. Ein Berg und ein Kreuzweg und ein Stufenstück und dann nochmal durch die Innenstadt…. Wieder mal wird uns bewusst, was wir uns noch antun müssen, um endlich ins Ziel zu kommen…. Jetzt merken wir wie weit 55km wirklich sind…..
Nach der vorletzten Pinkelpause am Ende des Kreuzweges treffen wir noch eine lustige Burschenpartie die noch Energie hat, um mit uns Witze zu reißen. An diese hängen wir uns dran und so stiefeln wir Richtung Tabakfabrik. Eine halbe Stunde länger hat dieses Abenteuer gedauert, aber nach 11h und 20 Minuten stehen wir dort, wo alles angefangen hat. Mit einer Medaille um den Hals, einem halben Liter Bier in der Hand und einem Strahlen im Gesicht.
Mit den letzten Kräften schleppen wir uns wieder zum Papa Taxi, der diesmal wenigstens lacht als er uns daher humpeln sieht. Also dürften wir nicht ganz so schlecht beinander gewesen sein als vor 2 Jahren. Und da wir uns diesmal ganz alleine und ohne Zittern die Reißverschlüsse an den Jacken öffnen konnten würden wir sagen…. ZIEL ERREICHT!!!
Zu Hause kommt dann gleich mal die Reflexionsrunde. Wo haben wir die Zeit bloß liegen gelassen…. Bei den unzähligen Toilettenpausen (Nach 6l trinken kein Wunder), beim Buffet und Schokoessen?!?!? Oder war doch „Schali“ schuld daran? Und weil wir eigentlich gar nicht genau wissen wo wir die halbe Stunde verloren haben, schaun wir uns die Strecke nächstes Jahr nochmal ganz genau an und versuchen die Minuten wieder zu finden.




