Vor einigen Monaten fassten wir den Entschluss, zum Ironman 70.3 Antalya Türkiye zu fliegen. Der Zeitpunkt ist perfekt, es sind Herbstferien und im „Winter“ nochmals in den Süden zu kommen, ist einfach toll. So ein Familienurlaub mit a bissal Sport halt, für mich. Doch manchmal kommt alles anders als geplant, und so reisten wir schließlich, schweren Herzens und mit viel Bauchweh, nur zu Zweit in die Türkei – sehr zum Leidwesen meines Sohnes, der überraschend krankheitsbedingt zu Hause bleiben musste.
Die Anreise am Dienstag verlief problemlos: ein schönes 5-Sterne-Hotel, direkt am Schwimmstart, gebucht über Ironman Packages , perfekter Service mit reibungslosem Transfer und Shuttleservices bei Bedarf.
Für mich sollte es der erste Start im Ausland werden – und damit auch die große Herausforderung, im offenen Meer zu schwimmen. Sand zwischen den Zähnen, Salz auf den Lippen, eine völlig neue Erfahrung. Und eigentlich mag ich ja überhaupt keinen Sand …
Auch die Pflamizers und die Hartners hatten sich entschieden, im Herbst in die Türkei zu kommen.
Am Donnerstag waren wir endlich vereint – voller Vorfreude und einer gewissen Anspannung, so hat ja jeder seine Erwartungen.
Juhu, es geht los! Freitag war Registrierung, und schnell war klar: Dieses Event fühlt sich anders an als gewohnt. Das „Land of Legends“ als Zentrum der Veranstaltung war eine beeindruckende Location – ein kitschig-schönes Schloss wie aus Disneyland, eine große Bühne im Zieleinlauf, ein Kanal wie in Venedig entlang der Laufstrecke. Ein perfekter Rahmen.
Die Anspannung stieg, besonders bei Ingeborg, unserem „Rookie“. Ihr erstes Mal Halbdistanz, ihr erster Auslandsstart – sie machte gleich alles auf einmal. Unsere Verrückte 😉.
Die Tage vor dem Rennen verliefen grundsätzlich ruhig: Jeder spulte seine Einheiten ab, das Meer war angenehm, die Wellen moderat, das Wasser warm. Nur die Frage, ob Neopren erlaubt wäre, sorgte kurz für Nervosität.
Doch am Sonntag früh hörte man schon vom Zimmer aus: Der Wetsuit ist erlaubt. Damit fiel die letzte Anspannung ab.
Das Rennen selbst war top organisiert – Ironman-Manier eben. Bike Check-In am Tag davor, klarer Zeitplan. Am Wettkampfmorgen sorgte Live-Musik für Stimmung. Dann der Rolling Start: 400 Meter hinaus, 400 quer, 400 zurück, kurz raus aus dem Wasser, dann eine kleine Innenrunde. Das Schwimmen lief überraschend gut, ein schöner Rhythmus, kein Stress, zwar keine Bestzeiten – aber mit guter Laune wieder raus.
Auf dem Rad lief alles sauber, nur die Technik wollte nicht so ganz: Die Kommunikation zwischen Uhr und Wattmessung funktionierte nicht. Zum Glück hatte ich meinen Edge parallel aktiviert und konnte mich dort grob orientieren. Die Strecke war flach, das Wetter perfekt – Sonne, kaum Wind, angenehme Bedingungen.
Die Straßen waren gut, der Asphalt ok. Einziger wirklicher Störfaktor: die Radgruppenbildung. Auch ich kam aus meiner Gruppe nicht immer raus. Wenn ich attackierte und an der Spitze mich einordnete, glaubte jemand hinten, ich würde langsamer werden, zog vorbei und merkte dann, uh, das Tempo war nicht haltbar. Ein bisschen zu sehr wie ein Radrennen. Und irgendwie gefühlt gefährlich.
Nach etwa 30 Kilometern wurde die Gruppe kleiner, und jeder fand seinen Platz. Die Motorräder und Instruktoren waren zwar unterwegs, aber ohne sichtbare Konsequenzen.
Unterm Strich spulten ich die 90 Kilometer solide ab. Mit meiner Zeit von knapp 2h30 und rund 80 % NP (erst nachträglich am Edge analysiert) – gesteuert aus Bauchgefühl – war ich sehr zufrieden.
Rein in die Wechselzone, Schuhe an, Kappe auf, „DANKE LIEBES RAD FÜRS MITNEHMEN“ und ab auf die Laufstrecke. Der Nachteil einer super Radzeit ist, beim Laufen wirst wieder eingeholt. 😊 Was solls!
Eine Pendelstrecke durch das Land of Legends, drei Runden, und man sieht sich ständig gegenseitig. Schon beim ersten Rauslaufen begegnete ich Wolfgang, später dann Renate – und da war mir klar: Ihr Uhrwerk läuft wieder perfekt. „Ich bin gespannt, wann sie mich hat“, dachte ich. Und tatsächlich: einen Kilometer vor dem Ziel holte sie mich ein. Vollkommen in Ordnung. Meine Laufleistung war stabil, nichts tat weh, alles durchgelaufen – auch wenn ich mein geplantes Tempo nicht ganz halten konnte.
Nach 21 Kilometern und dank wenig Sonnenschein erreichte ich nach 5:25 das Ziel. Die Pflammis warteten schon auf mich, und gemeinsam fieberten wir auf Ingeborgs Zieleinlauf hin – ein großartiges Gefühl, den ersten Auslandsstart so souverän gemeistert zu haben.
Am Abend stand die Slotvergabe an. Renate war laut Liste bereits auf Platz 22 – gute Chancen also für den WM-Slot. Sie bekam ihn. Mit ganz großem Smile im Gesicht – Herzlichen Glückwunsch!
Überraschend und völlig großartig erreichte Ingeborg in ihrer Altersklasse einen Stockerlplatz. Ein weiterer Grund zum Feiern. Jubel!
Und dann kam der Moment, mit dem niemand gerechnet hatte: Auch für mich gab es einen Slot für die WM 2026. Keine Zeit zum Nachdenken – es ging schnell, es war spontan, und am Ende war es ein klares, glückliches Ja. Eine unglaubliche Reise, die nun vor uns liegt.
Wie immer, wenn man etwas erreicht hat, spürt man eine Mischung aus Stolz und Demut. Ja, man leistet es alleine – aber man schafft es niemals ohne die anderen.
Ohne meinen Mann Michael, der mich zeitlich, organisatorisch und technisch unterstützt. Ohne meine Eltern, die mir Zeit zum Trainieren verschaffen und sich wunderbar um den Vierbeiner kümmern. Ohne meinen Sohn und sein Verständnis dafür, dass ich diesen Sport als Ausgleich brauche. All das macht es möglich.
Und natürlich auch nicht ohne sinnvollen und gut strukturierten, angepassten Trainingsplan – Danke Renate.
So ist es am Ende eine Belohnung – für die Zeit, die Mühe, die Energie, die man investiert. Ein schönes Ergebnis einer großartigen gemeinsamen Reise.




