Einmal Rad-WM in Japan – Gran Fondo World Championships in Niseko

Ein Radrennen in Japan fährt man vermutlich nicht allzu oft im Leben – und wenn es dann gleich die UCI Gran Fondo Weltmeisterschaft ist, wird daraus ein ganz besonderes Erlebnis. Ende August führte mich die Reise deshalb nach Niseko auf der japanischen Nordinsel Hokkaido, wo ich über die 140-Kilometer-Distanz an den Start ging.

Die erste Herausforderung begann allerdings schon lange vor dem Startschuss: Wie kommt das Fahrrad nach Japan? Ursprünglich hatte ich geplant, mir vor Ort ein Rennrad auszuborgen. Angesichts der langen Anreise mit Flugzeug, Zug und einem weiteren Inlandsflug erschien mir das wesentlich unkomplizierter, als das eigene Rad quer durch Japan zu transportieren. In meiner Rahmengröße war allerdings kein geeignetes Leihrad aufzutreiben – also musste das eigene Rad doch mit.

Im Nachhinein funktionierte das überraschend gut. Für den Transport innerhalb Japans nutzte ich ein Transportunternehmen, wodurch mir zumindest das mühsame Schleppen des Radkoffers durch Züge und Flughäfen erspart blieb. Das Rad kam auch weitgehend heil in Niseko an – abgesehen von einem gebrochenen Sattel. Damit war aber auch dieses Problem irgendwie gelöst und einem Start bei der WM stand nichts mehr im Weg.

Zwischen Tokio, Kyoto und Rennvorbereitung

Wenn man schon einmal um die halbe Welt nach Japan fliegt, wollten wir natürlich nicht nur wegen eines Radrennens hin- und wieder zurückfliegen. Deshalb reisten wir bereits rund eine Woche vor dem Rennen an und nutzten die Gelegenheit für Sightseeing in Tokio und Kyoto, bevor es weiter nach Hokkaido ging.

Für die optimale Wettkampfvorbereitung war das natürlich nicht unbedingt ideal. Viele Stunden auf den Beinen, Sightseeing, Reisen und ständig neue Eindrücke sind etwas anderes als die gewohnte Vorbereitung zu Hause.

Auch kulinarisch war Japan eine Erfahrung für sich. Das japanische Essen war zwar ausgezeichnet, mein Magen konnte sich aber nicht immer ganz damit anfreunden. Vor allem in den Tagen vor dem Rennen fehlten mir irgendwann die vertrauten europäischen Gerichte. Reis gibt es in Japan zwar wirklich überall, ein gewohntes Carb-Loading vor einem langen Radrennen sieht für mich aber doch etwas anders aus. Entsprechend ging ich ernährungstechnisch sicher nicht optimal vorbereitet an den Start.

140 Kilometer und ordentlich Höhenmeter

Am 30. August war es dann soweit. Die Gran-Fondo-Strecke führte über knapp 140 Kilometer durch die beeindruckende Landschaft rund um Niseko und hatte mit mehr als 2.300 Höhenmetern einiges zu bieten. Gerade auf einem solchen Kurs sind meine rund 90 Kilogramm Körpergewicht gegenüber deutlich leichteren Fahrern nicht unbedingt ein Wettbewerbsvorteil.

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Trotz der nicht ganz optimalen Vorbereitung konnte ich mein Rennen aber ordentlich durchziehen. Nach 4:58:44 Stunden und mit einem Schnitt von rund 28 km/h erreichte ich das Ziel. In meiner Altersklasse 55–59 bedeutete das Rang 117 von 134 gestarteten Fahrern.

Auf den ersten Blick klingt Rang 117 natürlich nicht nach einem Ergebnis, über das man vor Begeisterung in die Luft springt. Ein bisschen Enttäuschung über die Platzierung war deshalb zunächst durchaus dabei. Andererseits muss man sich vor Augen halten, wo man hier gerade gefahren ist: bei einer Weltmeisterschaft, für die sich die Teilnehmer zuvor qualifizieren mussten. Entsprechend hoch war das Niveau des Starterfeldes.

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Unter diesen Voraussetzungen, mit einer alles andere als klassischen Rennvorbereitung, ungewohnter Ernährung und einer Strecke, die mit ihren vielen Höhenmetern einem 90-Kilo-Fahrer nicht unbedingt entgegenkommt, kann ich mit meiner Leistung durchaus zufrieden sein.

Mehr als nur ein Radrennen

Nach dem Rennen blieb noch etwas Zeit, Japan weiter zu entdecken, bevor es schließlich wieder zurück nach Wien ging – und erfreulicherweise kamen diesmal sowohl Fahrer als auch Fahrrad heil zu Hause an.

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Was bleibt, ist deshalb weit mehr als eine Platzierung in einer Ergebnisliste. Die Kombination aus Japanreise, Tokio und Kyoto, der beeindruckenden Landschaft Hokkaidos und schließlich dem Start bei einer Weltmeisterschaft machte die gesamte Reise zu einem außergewöhnlichen Erlebnis.

Und unabhängig davon, ob es am Ende Rang 17 oder Rang 117 geworden ist: Es kann schließlich nicht jeder von sich behaupten, einmal in Japan bei einer Rad-Weltmeisterschaft gefahren zu sein.

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