IM 70.3 Europameisterschaft in Jönköping/Schweden – wieder einmal Schweden – Schweden bzw. Skandinavien gefällt uns unheimlich gut – die Weite der Landschaft – die Entspanntheit der Menschen – einfach leiwand.
Jönköping (ausgesprochen: Jönschöping) liegt in Südschweden, ungefähr in der Mitte zwischen Stockholm im Osten und Göteborg im Westen, am zweitgrößten See Schwedens 1888km² (Neusiedlersee 320km²).
Nach ca. 1500km inklusive 8 Std Fähre kommen wir am Donnerstag mit Zimmer, Kuchl, Kabinett (Wohnwagen) am Campingplatz an. Das Wetter ist sommerlich – schwedisch – d.h. 16, 17°, bisl Regen, bisl Sonne.
Planmäßig wären 3 LTCler mit Clemens, Renate und mir am Start. Nachdem aber Renate’s Körper nach einer operativen Gewichtsoptimierung noch auf eine weitere besteht (und nicht viel Training zulässt), verbleiben Clemens, unterstützt von Vicky, und ich.
Schweden war in der Vergangenheit immer ein guter Platz für mich. Ein fast perfektes Rennen in Kalmar und Platz 4 mit Quali für Hawaii 2019. Ein weiteres sehr gutes Rennen in Kalmar 2023 mit Platz 3 und einer weiteren Hawaii – Quali (nicht angenommen). Diesmal war das Ziel wieder die Qualifikation für die IM 70.3 WM in Chattanooga 2027 zu erringen, nachdem Projekt Nizza 2026 glorreich in die Hose gegangen ist.
Die Saison 2026 ist bislang, bis auf eine Ausnahme recht gut verlaufen. IM 70.3 Jesolo, 24. Platz mit 4:53:07 (das ich mit 57 noch ein PB mache ist dem flachen Terrain geschuldet). Dann ein DNF bei der Challenge St. Pölten, wo ich die Laufbeine am Rad zerstört habe und somit der HM nach 5km beendet war. Und ein überraschender Sieg in der AK bei der OD in Neufeld.
Sonntag, kurz nach 0900 Uhr erfolgt der Start im knapp 20° warmen See. 1000m gerade, 2x links und 900m gerade zurück, 1x kurz rechts und nach 35:33 bin ich wieder draußen. Wie in den letzten Monaten und Jahren ist das Schwimmen eher bescheiden. Mit 2x pro Woche Schwimmtraining kannst‘ halt nicht schneller werden.
Dann folgt der erste Lauf des Tages: ca. 800m vom Schwimmausstieg durch die Stadt bis in die WZ zeigt die Uhr. Hier kann man auch Schuhe in einem Wechselsack bereitlegen, was ich auch mache.
Bei eher gemäßigten Temperaturen um die 15-16° beginnt das Radfahren. Nach ca. 8-9km erfolgt der erste und einzige nennenswerte Anstieg über rund 3,5km. Die Radstrecke führt über eine Runde durch wunderbare Landschaften, zwischen kleinen Seen und durch noch kleinere Ortschaften. Der Asphalt ist sehr gut, es gibt kaum gefährliche Kurven, aber immer wieder Highspeed Passagen, wo ich gerne ein größeres Kettenblatt hätte. Es gibt 4! Labestellen auf den 90km. So viele habe ich bisher nur in Hawaii erlebt, zwecks Kühlung.
Kühlung ist heute sicher nicht notwendig, trotzdem erfolgt sie. Ab Km 50 setzt ein heftiges Gewitter ein. Die Sorge, dass eventuell ein Abbruch des Rennes erfolgt, kommt mir in den Sinn. Doch weder dem Veranstalter noch den Zuschauern interessiert das Wetter. Die Wikinger sind das gewohnt. Die Stimmungsnester, sowohl beim Radfahren, als auch beim Laufen bleiben großartig. Kurzzeitig kommt die Sonne durch, bevor es abermals zu Schütten beginnt, diesmal ist auch noch Hagel dabei. Das macht die letzten 10km in die Stadt zurück zum Blindflug. (Visier runter – tut weh. Visier drauf – Nebel) Außerdem kühlt es sprunghaft ziemlich stark ab. Füße und Hände melden sich ab, Bremsen wird zur Herausforderung. Gott sei Dank gibt’s keine Fotos vom Absteigen vor der WZ. Der Körper stellt auf „Wärmen“ = Zittern um. Eine gefühlte Ewigkeit brauche ich, um die Socken auf die nassen Füße zu bekommen und mir die Laufschuhe anzuziehen. Die Kappe mit den Kühlelementen und die Sonnenbrille …. kann ich mir heute sparen.
Die Laufstrecke umfasst 2 Runden mit einem Abschnitt durch die Stadt, gespickt mit schwedentypischem Kopfsteinpflaster. Das kommt besonders gut, wenn die Füße tiefgefroren sind. Normalerweise bin ich auf den ersten Laufkilometern zu schnell unterwegs. Diesmal ist das Gegenteil der Fall. Nach rund 3km komme ich halbwegs in mein Tempo. Renate wacht mehrmals am Streckenrand über mich, gibt mir vorsichtig Zwischenstände durch. Könnte ja sein, dass er wieder den Hut drauf haut, wenn nicht die gewünschte Information ankommt. Keine Sorge, diesmal wird durchgezogen, denn schließlich habe ich auch noch jemanden anderen ein Versprechen abgegeben.
Die Verpflegungsstrategie kann ich zu fast 100% umsetzten, allerdings spüre ich, dass ab Km 18-19 die Energie langsam den Körper verlässt. Die Kälte am Ende des Radfahrens und der damit stark steigende Energiebedarf machen sich jetzt bemerkbar. Das letzte Gel ist bereits hinuntergewürgt, das Ziel noch 2km entfernt. Mir geht der Sprit aus, der Motor fängt zum Stottern an, ich habe die Befürchtung, dass mir gleich das Licht ausgeht. Einen Km vor dem Ziel die letzte Labe, ich brauch‘ an Hektoliter Cola, 2 Kinder halten mir die Becher hin und glauben wahrscheinlich, dass ich sie mitinhaliere. Der Zucker wirkt und auf den letzten Metern wird noch einmal alles herausgeholt. Ich habe schon einmal wegen 8 Sekunden einen Qualiplatz verpasst.
Fazit:
Schwimmen: 35:33 eher schwach – Zwischenplatzierung: 21.
Rad: 2:37:21 recht gut – Zwischenplatzierung: 15.
Lauf: 1:48:10 in Anbetracht der Umstände ok
Gesamt: 5:11:23 13.Platz
Am Abend nach der Siegerehrung kommt es zu Slotvergabe. Es werden je 35 Plätze an Frauen und Männer vergeben. In der „bereinigten Gesamtliste“ bin ich 123. Mann von 1742 Finishern. Das klingt jetzt eh nicht so schlecht, aber die Wahrscheinlichkeit, dass ich einen Slot bekomme, ist eher überschaubar. Ich glaube eher nicht daran. Und ist es überhaupt verdient mit dieser Leistung zur WM zu fahren?
Vor 9 Jahren war ich gemeinsam mit Rainer P. in Barcelona. Dort haben wir uns beide für die damalige WM in Chattanooga qualifiziert. Ich musste damals ablehnen und habe ihn schweren Herzens alleine fahren lassen.
Diesmal nehme ich den Slot an, allerdings glaube ich ja nicht daran. Nur die kleine Hexe neben mir, mit ihrem bösartigen Scheißding in ihr, sagt, dass sie hier heute meinen Namen hört.
Und sie hat Recht! Danke für deinen Glauben an mich!
Jetzt gehört meine ganze Kraft dir!
P.S. Clemens wird einen eigenen Bericht schreiben.


