Staffel beim Dirndltal Extrem 2017 oder „der Dritte Mann“

Am Samstag 5.8.2017 fand südlich von Sankt Pölten, im Pielachtal bzw. im sog.
„Dirndltal“ ein kleiner, feiner Ultra-Trail Bewerb statt.

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Meine Teilnahme war alles andere als geplant, denn 3 Tage vorm Start meldete sich
ein Bekannter vom LC Mank, ob ich denn Interesse hätte bei seiner 4er-Staffel
einzuspringen. Ich war zuerst recht skeptisch, zumal ich die Info bekam, daß ich der
Ersatzmann für einen recht flotten Läufer sein sollte (2016: 36km in 3h20min/
1670Hm) und die Titelverteidigung angestrebt werde. Außerdem bin ich seit Kindheit
beim Sporteln lieber alleine für mich. Die Laufstrecke hat jedoch mein Interesse stark
geweckt, das Höhenprofil von Eisenstein und Hohenstein war auch ganz witzig (wie
die Turmspitze von Sarumans Festung Isengart…), ich war gut erholt vom Glockner
und ich sagte schließlich zu.
Ich hatte von Do/Fr. Nachtdienst und, um mir den Freitag-Nachmittagsverkehr zu
sparen, reiste ich am Vormittag an, ruhte in Sankt Pölten und lernte am Freitag die
Staffelkollegen kennen. Am Freitag fand auch die Rennbesprechung in Ober
Grafendorf statt (ca 10min mit dem Auto von St. Pölten).
Die Strecke ist ein Rundkurs von 111km mit 5000Hm. Es gibt Einzelstarter, 2er, 4er
Staffel und Mixed-Staffelwertungen.
Mein Streckenabschnitt ging von Frankenfels nach Schrambach mit 3 größeren
Anstiegen (Pichl, Eisenstein, Hohenstein) mit ca 36km und ca 1600Hm.
Ich ließ das Auto in Ober Grafendorf und mit der „Himmelsleiter“, Mariazeller Bahn,
gings ca 1h nach Frankenfels. Dort war neben Kirche und Friedhof der Checkpoint.
Unglaublich, Cris übergab das „Staffelholz“ (Karte zum Zwicken an den Checkpoints)
als Erster an mich, somit Führung im dritten Streckenabschnitt an mich.
Ich wollte wie gewohnt langsam starten, aber total euphorisch von der Tatsache als
Führender in der Hälfte eines Rennens zu sein, lief ich halt mal schneller als
gewohnt. Es ging zunächst gleich bergauf auf Asphalt Richtung Süden, Südosten.
Ich fand halbwegs einen Rhythmus, aber schon nach 5km war ich komplett
durchgeschwitzt, denn um 11.00 Uhr herrschte bereits schwüle Hitze.
Schon Tage vor dem Rennen wiesen mich meine Team-Kollegen darauf hin, daß die
Strecke, besonders Abschnitt 3, bezüglich Orientierung/Beschilderung recht
anspruchsvoll sei. Es gab Bodenmarkierungen in grün, kleine Schilder mit Pfeilen
und Bänder. Es gab für mich nur eine Stelle, die unklar war, da hätte ich mich
beinahe grob verkoffert. Nach ca. 20m bin ich aber draufgekommen, daß das nicht
stimmen kann.

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Beim ersten längeren Stück bergab hinunter vom „Pichl“ nach Schwarzenbach
wurde ich von einem extrem schnellen Staffelläufer überholt (Satlauer David). Es
war echt beeindruckend zu sehen, wie schnell man auch im Gelände bergab laufen
kann. Er hat mir bis zur Staffelübergabe über 40min. abgenommen. Den Eisenstein
(1185) hoch fand ich einen guten Rhythmus aus Gehen und Laufen und ich war froh
über meine Carbon-Faltstöcke, obwohl die Strecke sicher nicht so steil war, als daß
man sie unbedingt gebraucht hätte. Spätestens seit dem Glockner Trail bin ich
jedoch ein großer Freund und kann halbwegs damit umgehen. Meiner
Wahrnehmung nach, war ich einer der Wenigen die welche verwendet haben.
Vom Eisenstein gings recht trailig hinunter knapp 400Hm, schließlich über einen gut
ausbauten Forstweg in den Wald und dort wieder recht trailig bergauf auf den
Hohenstein. Mittlerweile hat mein Magen revoltiert, denn ich konnte wieder einmal
keinen Bissen essen. Weder Gel noch Banane. In der Trinkblase hatte ich 1,5 Liter
Kokoswasser, was zunächst besser zu trinken war als Gatorade „blau“ beim
Glockner. Irgendwann hats mir dann einfach nur gegraust und an den Checkpoints
habe ich meinen Faltbecher (bei den meisten Ultra-Trails Pflichausrüstung, da keine
Plastik- oder Pappbecher bereitgestellt werden —> gute Sache!) mit Wasser und
Cola/Wasser befüllt. Erstaunlicherweise bekomme ich Cola, trotz seines pH Wertes
und der Kohlensäure gut hinunter und es geht subjektiv besser.
Den Hohenstein hinauf wars dann sozusagen „high noon“, die Sonne knallte runter,
vom Gewitter am Vortag war alles feucht und es regte sich kein Lüfterl. Ich wurde bis
zum Checkpoint am Hohenstein immer langsamer und erst in Blickweite der Hütte
konnte ich mich wieder halbwegs zammreißen und freute mich auf kaltes Wasser.
Ich dürfte recht fertig ausgschaut haben, denn der Betreuer des Checkpoints wollte
mir raten, doch a paar Minuten zu verbleiben. Aber ich sah schon einen Läufer von
der Ü200 Staffel (Alter der Teilnehmer >200) und ich wollte mich ungern überholen
lassen. Irgendwie so eine Prinzipsache… Vom Hohenstein geht es zumeist über
eine unkomplizierte Forststraße einfach nur noch bergab bis kurz vor Schrambach.
Ich hatte aber schon alle Reserven aufgebraucht und konnte bergab max.
4min20sec./km laufen. Somit wurde ich dann von besagtem Läufer doch noch
deutlich überholt, denn für ihn wars auch so eine „Prinzipsache“. Die letzten 2
Kilometer geht es auf Asphalt bis zur Staffelübergabe. Selten war ich so froh das Ziel
erreicht zu haben.
Ich übergab an Thomas, der die restlichen 28km bewältigte. Obwohl sein Abschnitt
deutlich flacher ist, beneidete ich ihn nicht, denn am Nachmittag verzogen sich die
Wolken und die Sonne knallte erbarmungslos hinunter. Außerdem verlaufen die
letzten Kilometer ganz langweilig, flach entlang der Pielach bis Ober Grafendorf.
Für unsere Staffel ging sich Platz 2 aus, der Tag war gerettet. Nachdem David
Satlauer genauso schnell war wie 2016 der Läufer für den ich eingesprungen war,
wär die Titelverteidigung auch in Originalbesetzung der Staffel knapp geworden.
Ich hörte, daß der Führende der Einzelstarter aufgeben mußte, weil er ebenfalls
Magenprobleme, sogar mit Erbrechen, hatte. Tags drauf stellte ich fest, daß der
Gewinner der Einzelstarter, Schwarz Stefan, mein Bundesheer-Kamerad und MG
Buddy war. Die Welt ist klein!

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