Es war NICHT meine Idee beim Glocknerkönig mitzumachen. Aber der Gedanke reizte mich!
Mein „guter“ Freund Harald ist die letzten beiden Jahre schon angetreten.
Dieses Jahr hatte er mich soweit und ich meldete mich auch an, um mit ihm und Manuel, ein weiterer Freund, gemeinsam den Berg zu bezwingen.
Aber nicht wie Harald und Manuel für die Classic-Strecke, die 27,3 km und 1.672 Höhenmeter beinhaltet. NEIN !!! Ich hab mich gleich für die Ultra-Strecke mit 28,9 km und 1.815 Höhenmeter entschieden. War nicht meine klügste Entscheidung, wie sich später noch herausstellen sollte.
Wir sind am Samstag, am Vortag, angereist. Holten direkt unsere Startnummern aus Bruck und bezogen unsere Zimmer in Zell am See.
Am späten Nachmittag wollte ich noch etwas ausradeln, aber das Wetter lies es nicht zu. Es regnete und so spritze ich die Einheit.
Also gingen wir Abendessen und anschließend auf unsere Zimmer. Etwas später auch bald schlafen.
Um 5:00 Uhr klingelte der Wecker und um 5:30 Uhr ging’s gemeinsam mit unseren Frauen zum Frühstück.
Um 6:15 Uhr machten wir uns auf den Weg zum Start nach Bruck.
In Startblock 1 stand die Elite. Im 2. Startblock warteten jene, die schon mal unter 2 Stunden ins Ziel gekommen waren. Und in Startblock 3 war der Rest und ich. Kurz vor dem Start begann es zu tröpfeln.
Die Temperatur lag bei 16°. Kalt würde uns auf dem Weg zum Gipfel nicht werden.
Punkt 7 Uhr ging die 29. Auflage des Glocknerkönigs los und der Regen hörte zum Glück auch auf. Die Masse bewegte sich langsam vorwärts und so ging es mal auf die Bundesstraße Richtung Fusch. Die ersten 14 km konnte man gut Tempo machen, da alles flach war. Bis zur Kassenstelle war von einem Anstieg beziehungsweise einem Berg nichts zu erkennen. Dies änderte sich direkt nach der Kassenstelle. Ab hier hatte man ca. 8 – 10% Steigung durchgehend bis ins Ziel. Ich fühlte mich gut! Ich fühlte mich stark! Aber ich hatte keine Ahnung, was mich erwarten würde. Ich konnte das Ganze nicht einschätzen.
Ich blickte zeitweise auf und dachte mir bei mancher Kehre „na servas“. Die Straße sah zeitweise endlos aus.
Es ging gut voran. Zwar langsam, aber ich war gut im Tritt. Meine Beine hatten einen guten Rhythmus gefunden, dennoch machte sich die Anstrengung langsam bemerkbar. Die Großglockner Straße war gesperrt und nur für uns da.
Es war zeitweise irgendwie mystisch…
Auf den Weg nach oben hörte ich um mich herum keinen Ton, als ob ich alleine wäre. Es war so ruhig, man konnte die Räder auf dem Asphalt hören. Hin und wieder ein Schalten der Gänge und zeitweise ein Schnaufen von den ca. 3000 Teilnehmern. Die Kehren eigneten sich gut zum Auflockern der Beine, bevor der nächste Anstieg wieder begann.
Nach 27 km kam die Abzweigung für die Ultra Fahrer. Die Classic Teilnehmer hatten ihr Ziel 300m gerade aus vor sich. Es war laut. Die Zuschauer machten eine super Stimmung.
Doch ich bog links ab und musste weitere 1,6 km mit 143 Höhenmetern absolvieren.
Und dies auf Pflastersteinen. Bis nach oben nur unebene, kleine Pflastersteine.
Meine Gemütslage änderte sich schlagartig.
Nach fast 14 km bergauf und müden Beinen machte mich das Rütteln am Rad grantig.
Bei km 28 blieb ich kurz stehen, um mich zu beruhigen. Ich schaute zur Edelweißspitze rauf und fuhr aber gleich wieder weiter.
Bei der vorletzten Kehre sah ich schon meine zukünftige Frau Birgit auf mich warten. Ich war froh, Sie zusehen und froh dass, ich gleich im Ziel war. Also trat ich nochmal kräftig in die Pedale und bog in die letzte Kehre ein, Richtung Ziel. Auch hier war die Stimmung gut. Zwar etwas leiser, weil die meisten die Classic-Strecke fuhren und da die große Masse war.
Nach 2:19:30 war ich im Ziel angenommen. Mein Grant über die Pflastersteine war weg.
Ich war glücklich! Und ich war stolz auf mich!
Bevor ich mit der Abfahrt begann, zog ich mich um. Zur Belohnung gönnte mir noch einen Kaiserschmarrn und eine Heiße Schocklade und genoss die unglaubliche Aussicht bei bewölkten 5°C.


