Jackys Bericht : „An Marathon renn i sicher NIE!!!“

Wir schreiben das Jahr 2010.. Der zweite Urlaub mit meinem Lebensgefährten führt mich nach Prag. Und ich bin verliebt… nicht nur in Horst, sondern auch in diese wunderschöne Stadt. Der Gipfel des ganzen?! Wir sind zufällig am Marathonwochenende dort. Zu dieser Zeit bin ich erst meinen ERSTEN Halbmarathon gelaufen… aber eher schlecht als recht… von dem her schwören wir uns …. Wir laufen dort mal den Marathon…. Irgendwann… ..wenn zeit is… najo … eher ned 😊…

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Eigentlich wollte ich ja NIE einen Marathon laufen- das ist ja soooo weit. Auch unsere Trailruns mit Distanzen von 35-55km haben mich nicht überzeugt. Dies ist doch eine ganz andere Erfahrung und absolut nicht zu vergleichen.

Leider hält sich Horst nicht an den Plan und schenkt mir letztes Jahr im Dezember zum 40. Geburtstag den Startplatz zum Prag Marathon…. Na danke aber auch….

Und nun sind wir im Jahr 2026 (!!!) angekommen. 16 Jahre später stehen wir- mittlerweile seit fast 14(!!!) Jahren verheiratet- gemeinsam am Start des Prag Marathons. Unser Fanclub, unser Sohn – mittlerweile 13 Jahre alt- und meine Eltern begleiten uns auf diesem Abenteuer.

Die Vorbereitung lief…. Rückwärts und Berg ab. Aber es lief— Blöder Winter- viel krank gewesen, und ein ordentliches Trainingsdefizit. Aber da wir ja 2 Trailläufe mit 42km und 55 km gschafft haben wird das ja schon gehen…. Irgendwie…. Hoffentlich… Vielleicht…

Ein paar Tage vor der Abreise quatschen wir noch mit dem Talos Flo. Unter 4h30 ist seine „Vorgabe“ Denn dann, so verspricht er mir, gibt’s Bier!

So stellen wir uns in den Startblock kurz vor dem Pacemaker zu 4h15. Ich bin zwar nicht überzeugt davon, aber Horst meint besser überholt zu werden als zu überholen… Ähm ja… das Starterfeld ist stark- aber dazu später mehr.

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Die Organisation dieses Events ist top und beginnt schon beim Startblock. Wir werden quasi durch die Straßen geführt, begleitet von Smetanas „Die Moldau“ und ich heul schon zum ersten Mal- Jo jetzt werd ich alt und sentimental.

So laufen wir los in einer der schönsten Städte der Welt. Über die Karlsbrücke und vorbei an den Sehenswürdigkeiten der Stadt. Bei KM 15 sahen wir dann meinen Papa und Keanu am Streckenrand stehen. Wir sehen uns an diesem Tag zum ersten Mal, da wir schon viel früher raus mussten. Es ist komisch, von Papa nicht zum Eventstart begleitet zu werden (macht er ja sonst immer 😊 ) aber als wir uns am Streckenrand sehen ruft er uns motivierende Worte zu und Keanu photographiert uns Was er übrigens schon großartig macht (siehe Photo) Wir freuen uns sehr!! Und i rea scho wieder….

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(c) Keanu Daniel

Die erste Hälfte laufen wir in einer großartigen Zeit. (immer unter 6er Pace). Wir sind auch total begeistert von den tollen Sprüchen die wir auf dem Transparenten sehen („And all that for a free banana.” „You must be very hot because so many people running after you“). Unser Highlight war jedoch ein Pub, dass mit „Refreshments“ wirbt und ganz groß „FREE BEER“ auf einem Transparent geschrieben hatte…. Und ja sie haben wirklich Bier ausgeschenkt. Und Ja es gab welche die sich eines geholt haben… und NEIN wir waren es nicht!

Was ich ganz großartig fand, war, dass viele Leute an der Strecke einfach große Boxen mit Haribo und andere Naschigkeiten in die laufende Menge hielten und man sich da bedienen konnte. Dass mir das nachher „das Leben“ rettet mit dem habe ich da noch nicht gerechnet.

Irgendwann bei KM 25 wird mir erst richtig bewusst, dass rund um uns irgendwie keiner langsamer wird… ausser wir…Eigentlich konnten wir auch kaum Leute überholen… und nun werden WIR überholt… und mir wird zum ersten Mal klar, dass wir grad mal die Hälfte haben… etwa zu dieser Zeit hält eine Dame am Streckenrand ein Transparent hoch mit „What a great Birthday present“ … jo genau… Bei KM 28 hat Horst Probleme mit seinem Oberschenkel- Er meint ich soll alleine weiterlaufen, denn er werde vielleicht nicht durchkommen. Oiso des moch i fix ned und so gehen wir gemeinsam einen Teil der Strecke.

Nebenbei schnalzt mein Puls auf über 200 Schläge und geht nicht mehr hinunter. Zuerst mach ich mir Sorgen, da ich erst eine Woche davor eine Erkältung hatte, aber da der Puls auch beim Gehen konstant bleibt und dies sich auch in der nächsten Stunde nicht verändert, liegts wahrscheinlich an der Garmin. Aber mit so einer Zahl an der Uhr muss der Kopf schon sehr stark sein damit ma nicht die Nerven verliert. Jo und meiner wars ned. Zu der Zeit brennt und auch schon die Sonne aufs Gehirn und es wird megaheiß. Und ja die Allergie setzt auch ein, die Lunge brennt, das Herz schlägt bis zum Hals und eigentlich merkt ma jetzt definitiv… DES WOR A BLEDE IDEE!!

So halb gehend und laufend kämpfen wir uns durch bis KM 38. Und dann mag ich nicht mehr. Am liebsten würde ich stehen bleiben und bei den Laben mach ich das sogar. Das Anlaufen fällt mir immer schwerer und jegliche mentale Hilfstechnik versagt diesmal. Das Einzige, was mir noch ein bisschen Kraft gibt ist das Haribosackerl, welches ich mir von einer netten Zuschauerin schnappe. Beim Triathlon wäre sowas undenkbar, aber ich freue mich sehr darüber!

Irgendwie schafft es Horst, der sich dank einer „Vereisung“ von den zahlreichen „First Aid Stations“ am Streckenrand wieder erholt hat, mich ins Ziel zu motivieren. Bei der letzten langen geraden herrscht eine Stimmung!!! Unbeschreiblich!!!! Großartig wie dort gefeiert wird… Ich kriege Gänsehaut und versuch mich zusammen zu reißen. Und dann hör ichs „Heeeeeeeeeeee!!!!!!!!!!“ Mein Papa schreit so laut, dass er die ganze Stadt zu überschreien scheint! Ich schau in seine Richtung… der wird doch ned…. Na bitte…. Wenn der jetzt heult…. Und schon geht’s los… wir rean beide… Papa am Streckenrand und ich auf meinen letzten Metern.

Daher gibt’s auch kein einziges Finischer Photo wo ich nicht die Hand im Gsicht und über den Augen habe. Ein Gefühl von Erleichterung, Stolz, Demut und Einsicht überkommt mich. Und dann merk ich erst richtig, was ich meinem Körper zugemutet habe. Ich krieg keine Luft und kann kaum mehr gerade stehen vor lauter Rückenschmerzen. Also an alle Marathon Läufer da draußen… Ihr seid echt verrückt… na wirklich!…

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(c) Witisi sport GmbH

Mit meiner Zeit von 4:24:31 bin ich zufrieden, obwohl ich dachte es ginge doch lockerer und besser. Owa Flo des Bier hol i ma!!

Auf dem Weg ins Hotel beschert uns Horst dann noch eine Schrecksekunde, indem er sich den Inhalt eines Mistkübels sehr genau anschaut. Und dann entscheidet etwas dazu zu legen. Aber dann gings ihm besser.

Im Hotel angekommen seh ich dann welches Glück ich hatte. Nicht nur mein Kopf und mein Körper.. nein auch meine Schuhe waren am Ende… Tja ich tät sagen.. alles gegeben!

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Horsts Bericht: „mobile Labestation, Wasserträger, Motivator, Pacemaker und Fotograf“

Da Jacky nie einen Marathon rennen wollte, ich aber der Meinung war, dass ein Marathon längst überfällig war, schenkte ich ihr zum 40iger ihren ersten Marathon. Die Wahl, wo wir den Marathon laufen, war doch etwas schwierig, da es auf ein langes Wochenende fallen sollte, damit auch etwas Zeit für Sightseeing bleibt. Im Endeffekt blieb fast nur Prag über, da wir alle zumindest am Freitag, den 1. Mai frei hatten.

6 Uhr Tagwache, schlecht geschlafen, Frühstückten  war am Zimmer und um 7 Uhr gingen wir Richtung Start. Noch hatte es frische 10 Grad, das sollte sich im Lauf des Vormittags ändern…

Meine Aufgaben neben dem Laufen waren, mobile Labestation, Wasserträger, Motivator, Pacemaker und Fotograf 😊 und so ging es vollgepackt kurz nach 8 Uhr los. Plan war so lang wie möglich eine 6er Pace zu laufen und bei Bedarf etwas langsamer zu werden.

Gleich nach 2 km liefen wir über die für uns Läufer abgesperrte Karlsbrücke, dass war eines der Highlights des Laufes. Vor lauter Selfies machen, habe ich den offiziellen Fotografen übersehen 😊

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(c) Witisi sport GmbH

Dann ging es km für km durch die Stadt, coole abwechslungsreiche Strecke und wegen der Hitze gab es auch alle 2-3 km eine Labe. Hier war mir schon aufgefallen, dass es teilweise nur so ein komisches Magnesium Wasser (schmeckte wie in Illmitz aus der Quelle) gab, naja Hauptsache was zu trinken …

Der Ernährungsplan ging auch ganz gut auf und zum Glück hatten wir genügend eigenen Gels mit. Auf den Laben gab es nur Wasser, ISO, Zucker und Salz in kleinen Tütchen wie im Wirtshaus und bei ein paar auch Bananen. „Private“ Labestationen mit Bier!!!, Gummiviecher, usw. hab es auch entlang der Strecke. An zwei Positionen wartete auch unser Fanclub, Keanu und Hans, auf uns, die uns ordentlich anfeuerten und motivierten.

Der Halbmarathon war in 2 Stunden erledigt, alles schaute sehr gut aus … bis km 28, da machte mein linker Oberschenkel zu und ich musste gehen, da er bei jedem Laufschritt höllisch weh tat … ich wollte Jacky allein weiterschicken, sie wollte den Lauf aber gemeinsam beenden. Kurz nach km 29 die Erlösung, eine First Aid Station mit Eisspray. Die Dame sparte nicht damit und machte meinen kompletten Oberschenkel taub und ich konnte zumindest weiter joggen.

So kämpften wir uns weiter, mittlerweile hatte es mehr als 20 Grad und wir joggten von Labestation zu Labestation, da das Wasser im Trinkrucksack auch schon fast aufgebraucht war … Bei km 38 kam dann für Jacky der Mann mit dem Hammer – nein ich war es nicht!!! Ich motivierte sie so gut ich konnte, da aber links und rechts neben der Strecke einige Teilnehmer von Notärzten, Sanitäter und Running Doctors versorgt wurden, war es nicht besonders leicht, fand aber – glaube ich – trotzdem die richtigen Worte.

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(c) Witisi sport GmbH

Die Stimmung auf den letzten 1,5 km waren wirklich genial, Gänsehautfeeling. Kurz vor dem Ziel warteten nochmal Keanu und Hans und feuerten uns nochmal richtig an. Pure Emotionen auf der Ziellinie – näheres dazu in Jackys Bericht. Jacky ich bin voll Stolz auf dich!!!! Du hast deinen ersten Marathon super gemeistert!!!

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Kurz nach Zieleinlauf bekamen wir die wunderschöne Medaille und nochmal so eine komische „Illmitzer“ Wasserflasche. Vor lauter Durst trank ich sie gleich auf Ex … schwerer Fehler!!!

In der Nähe vom Ziel trafen wir uns mit Hans und Keanu und da wurde mir plötzlich total übel … auf dem Weg zum Hotel wollte das Magnesium Wasser nicht mehr in meinem Magen bleiben und ich entsorgte es in einem Mistkübel … danach war alles wieder gut und ich ließ mir nach einer Dusche ein Steak und 2 gute Biere schmecken😊.

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