Andi kannte das alles schon – er hatte bereits vor Jahren mit solchen Bewerben begonnen. Für mich allerdings war es das allererste Mal.

Wir haben unglaublich viel trainiert, sogar die gesamten 600 Kilometer schon einmal in drei Tagen mit zwei Übernachtungen abgefahren, weil ich die Strecke unbedingt vor dem Bewerb kennenlernen wollte. Wir übten die Wechsel, wobei ich leider nur einmal im Dunkeln gefahren bin. Über Silvester verbrachten wir zwei Wochen auf Lanzarote in einem Triathloncamp, im März ging es für eine Woche nach Sizilien und schlussendlich noch für eine weitere Trainingswoche nach Poreč ins Radcamp.

Im März kaufte ich mir außerdem noch ein neues Triathlonrad. Vielleicht hätte das etwas früher passieren sollen – aber perfekt kann eben nicht immer alles laufen.

Dann kam der 15. Mai 2026. Patrick und Max, unsere Betreuer, holten uns um 10 Uhr ab und wir fuhren ganz entspannt nach Weitra. Dort wurde erstmal gemütlich Mittag gegessen, im Hotel eingecheckt, die Startnummern abgeholt, Auto und Räder beklebt und anschließend ging es zur technischen Abnahme. Beim Billa besorgten wir noch die letzten Fressalien und kurz vor dem Start ließen wir uns im Gasthaus sogar noch Suppe in unsere Thermoskannen füllen.

Um 20:16 Uhr standen wir auf der Bühne. Wir hatten beschlossen, dass ich starte und wir ungefähr alle 25 Kilometer wechseln würden. Dann fiel der Startschuss – und es begann zu regnen.

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Anfangs war ich noch guter Dinge und versuchte, mich einzufahren. Doch die Dunkelheit allein war schon eine Challenge. Gemeinsam mit dem strömenden Regen entwickelte sich daraus allerdings eine Angst, wie ich sie bisher noch nie erlebt hatte. Ich musste mich mental ständig beruhigen, denn Angst hilft auf dem Rad überhaupt nicht. Außerdem hatte ich völlig unterschätzt, dass man in Kurven kurzfristig einfach ins Schwarze fährt und nichts mehr sieht.

Es war eine Herausforderung, wie ich sie noch nie erlebt hatte: kein Andi vor mir, der mir im Training meistens den Weg vorgibt, kein Tageslicht – nur Dunkelheit und dieser brutale Schüttregen. Eine absolute Katastrophe.

Nach den ersten 25 Kilometern kam der erste Wechsel und ich musste mich erstmal sammeln, um mich auf meinen nächsten Abschnitt vorzubereiten. Dieser fühlte sich sogar noch schlimmer an als der erste. Bis heute kann ich kaum glauben, dass ich trotzdem in einer für mich noch immer schnellen Zeit gefahren bin – und das, ohne zu stürzen.

So kämpften wir uns von Abschnitt zu Abschnitt weiter. Der Regen wurde nicht besser, aber irgendwann gewöhnt man sich tatsächlich daran. Die erste richtige Erleichterung kam gegen 5 Uhr morgens, als es endlich hell wurde. Plötzlich war da tatsächlich ein kleines Licht am Ende des Tunnels. Faszinierend, worüber man sich in solchen Momenten freuen kann.

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Trocken wurde es zwar weiterhin nicht, aber auch an das Nasssein gewöhnt man sich irgendwann. Die nächste große Herausforderung wartete allerdings bereits: Am Wastl hatte es nur 1,5 Grad und meine Finger waren derart eingefroren, dass ich kaum noch bremsen konnte. Andi übernahm dann den Abschnitt mit über zehn Kilometern bergab – bis heute ist mir ein Rätsel, wie er das geschafft hat. Noch dazu, weil während des Rennens auch noch sein Radcomputer kaputtging.

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Irgendwie erreichten wir schließlich die 500-Kilometer-Marke. Und ab diesem Punkt denkt man einfach nicht mehr ans Aufgeben. Wobei – aufgeben tut man bekanntlich nur einen Brief. Trotzdem hatte ich mich zwischenzeitlich ehrlich gesagt nie wirklich im Ziel gesehen.

Ab Kilometer 520 beschlossen wir, bereits alle zehn Kilometer zu wechseln. Auch das war nochmal extrem hart, weil ständig weitere Höhenmeter warteten. Der schönste Moment kam allerdings auf den letzten zehn Kilometern: Wir hatten vereinbart, gemeinsam ins Ziel zu fahren, und konnten dabei sogar noch einen wunderschönen Sonnenuntergang mit einem tollen Foto festhalten.

Und dann war es endlich geschafft – Zieleinfahrt.

EINMAL UND NIE WIEDER.
Aber ich bin unglaublich dankbar für diese Erfahrung und dieses besondere Abenteuer

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