Meine erste Triathlon Halbdistanz beim IRONMAN 70.3 in Venice-Jesolo
Tja, was soll ich sagen, ich habe im April 2025 kraulen gelernt, habe bisher 2 Olympische Distanzen hinter mir, und im Oktober 2025 habe ich mich entschieden, mir professionelle Unterstützung im Triathlontraining von Renate Pflamitzer zu holen. Das Ziel war, beim IRONMAN in Jesolo am 3.Mai an den Start zu gehen, weil wir im Sommerurlaub 2025 in Jesolo laufen waren und meine Schwester Karin nebenbei fallen gelassen hat, dass das eine IRONMAN Strecke wäre. Der Gedanke lies mich nicht mehr los… Und so war die Anmeldung raus.
Das Training lief gut, der große Tag kam schnell näher. Wir reisten am Donnerstag bereits nach Jesolo an. Wir, das sind: Alex, mein Verlobter, meine Schwester Karin (beide ebenfalls angemeldet) und meine Mama Elisabeth als Support! Auch Renate und ihr Mann Wolfgang waren in Jesolo am Start.
In Jesolo angekommen, wollten wir unbedingt gleich ins Meer. Was sich als keine gute Idee rausgestellt hatte, da die Wellen durch den Wind ungewöhnlich hoch waren.. Miiiindestens 1m. Wenn nicht mehr. Nachdem Schwimmen nicht meine beste Disziplin ist, hat sich dadurch nicht unbedingt ein beruhigendes Gefühl eingestellt.
Am nächsten Tag war das Meer dann aber deutlich ruhiger und so blieb es dann auch bis zum Wettkampftag.
Die Tage verliefen schnell, am Freitag war die Registrierung, ich erhielt meine Startnummer: 546 – gefällt mir. Ich mag „schöne“ Zahlen.
Samstag ging es dann schon ans Zusammenpacken, am Abend brachten wir die Sackerl mit unseren Lauf- und Radutensilien in die Wechselzone und auch das Bike musste abgegeben werden.
Der Start am Sonntag war um 07:15, das bedeutete, dass wir Tagwache um 04:00 Uhr hatten, als Frühaufsteherin kein Problem, wäre da nicht die Nervosität. Ein paar Kipferl und ein Kaffee und dann ging es schon los in die Wechselzone. Rad noch da, Luft kontrolliert, Verpflegung angebracht. Alles bereit, aber war ich es auch? Erste Zweifel kamen auf.
Am Startgelände machten wir uns startklar. Der Neo wurde angezogen, wir trafen Renate und ihren Mann Wolfgang. Die letzten Glückwünsche wurden ausgetauscht, ein paar Freudentränen flossen (oder war es Panik?) und so gingen alle in ihre Startbereiche. Ich verabschiedete mich von meiner Mama und ging in den letzten Startbereich für die langsamsten SchwimmerInnen. So, nun war ich auf mich allein gestellt.
Die Stimmung war großartig, die Sonne schien und das Meer war ruhig. So ruhig wie an keinem der vorangegangenen Tage. Das beruhigte mich. Und die Freude stieg. Das Startprozedere (Rolling Start: alle 6 Sekunden – 3 Athleten) zog sich ein wenig in die Länge und da ich ganz hinten eingereiht war, dauerte es fast 90 Minuten bis ich in der Nähe der Startlinie war. Ich winkte meiner Mama, die geduldig auf mich wartete zu und lief ins Wasser. Und dann gings los…
Ich versuchte langsam mein Tempo zu finden, den Kopf ins 16,8 Grad kalte Wasser zu bringen, versuchte es zuerst mit Brustschwimmen und dann langsam ins Kraulen überzugehen. Ein paar Meter klappte das auch ganz ok, aber dann, ich begann hektisch zu atmen, mir war kalt, und ich kam nicht voran. Also machte ich das, was ich immer mache, ich schwamm Brust. Mit Kopf über Wasser. Und wurde noch hektischer, weil ich mich ärgere. Ich atmete und versuchte mich zu beruhigen, versuchte immer wieder zu kraulen. Aber ich merkte nach 3-4 Zügen, dass das nicht klappt, also schwamm ich weiter Brust. Und obwohl das im Pool auch immer gut klappt und ich damit „zügig“ für meine Verhältnisse vorankomme, im Meer hatte ich das Gefühl, dass ich mich nicht von der Stelle bewegte. Die Bojen kamen nur seeeehr langsam näher. Ein Blick auf die Uhr verriet mir, dass ich erst einen Bruchteil der Strecke hinter mir hatte und so machte sich sehr schnell Verzweiflung breit. Meine Gedanken drehten sich ums Aussteigen, Zweifel warum ich das überhaupt mache, ich hätte weinen können. Aber auch so verging irgendwie die Zeit. Es war nicht das beste Mindset, aber ich schwamm weiter. 1-2 Mal habe ich mich an den SUPs der RettungsschwimmerInnen festgehalten um durchzuatmen, nachdem im Racebriefing gesagt wurde, dass das nicht zur Disqualifikation führen würde. Also nutze ich das aus, ich atmete tief durch und schwamm weiter. Irgendwann war Aufhören keine Option mehr, ich wollte das Ziel erreichen, schwamm von Boje zu Boje. Und so kam ich nach 55 min auf dem Wasser, fix und fertig. Aber ich habe mich so auf den Rest des Bewerbs gefreut, dass der Ärger über das Schwimmen schnell verflog. Als ich in die Wechselzone lief, kam der Führende bereits wieder vom Rad zurück, da musste ich lachen und ich habe mich gefragt, wo Alex und Karin bereits wären. Das Gute, wenn man so spät in die Wechselzone kommt: Man hat Platz und man findet sein Rad ohne Probleme.
Also ging es nach rund einer Stunde auf die Radstrecke, die durch Jesolo führte und dann ins Land hinein, vorbei an Weinfeldern, Flüssen. Die Strecke war toll, auch hier hatte ich genug Platz und musste mir über Windschatten fahren keine Gedanken machen. Ich war auf weiten Teilen der Strecke allein unterwegs und erst gegen Ende konnte ich wieder ein wenig aufschließen und andere RadfahrerInnen überholen. Meine vorgegebenen Watt konnte ich nicht halten, aber da es meine erste Halbdistanz war und ich nicht einschätzen konnte, was mich dann beim Laufen erwarten würde, habe ich mich dadurch nicht beirren lassen und habe nach Gefühl mein Tempo gehalten. Nach 03:12 war ich wieder in der Wechselzone.
Nun ab zum Laufen, worauf ich mich schon am meisten gefreut habe, weil das im Training gefühlt am besten funktioniert hatte. Es waren 3 Runden zu absolvieren, die Einkaufsstraße von Jesolo in die eine Richtung und am Strand Richtung Leuchtturm retour. An der Laufstrecke konnte ich wieder die Stimmung des Wettkampfs spüren. Viele Zuschauer und TeilnehmerInnen, die das Ziel schon erreicht hatten, feuerten uns an! Ich fand schnell mein Tempo, kein besonders schnelles, aber MEIN Tempo, von dem ich wusste, dass ich das über 21km halten konnte, konstant und kontrolliert. An der Strecke sah ich dann auch Wolfgang und Alex, die das Ziel schon erreicht hatten und auch meine Mama mit ihrem bunten geschmückten Regenschirm, an dem unsere Namen geschrieben standen und Stofftiere hingen, war nicht zu übersehen!
Dann ging es auf die letzte Runde, ich freute mich auf das Stück am Strand entlang, wo wir auch im Sommerurlaub gelaufen sind und wo diese Reise begonnen hatte. Je näher ich zum Leuchtturm kam, wo das Zielgelände war, desto emotionaler wurde es. Nach 02:12 hatte ich den Halbmarathon hinter mir und lief mit einer Gesamtzeit von 06:42 ins Ziel. Ich war erleichtert und zufrieden, aber ganz überrissen, was ich da geschafft habe, konnte ich in dem Moment nicht. Ich war im Ziel, ich war froh, dass es vorbei war und freute mich auf eine Dusche, Essen und das Bett. Erst am nächsten Tag, als ich mit Alex und unseren Medaillen noch mal zum Leuchtturm sparzierte, um Fotos zu machen, kam ein Gefühl von Stolz auf und langsam realisierte ich, was passiert war. Und dass ich es geschafft hatte, auch wenn das Schwimmen, bei weitem nicht so funktioniert hat, wie ich es mir vorgestellt hatte. Aber ich weiß, dass auch wenn es hart wird, dass ich es schaffen kann, auch wenn es etwas länger dauert. Das Ziel erreiche ich. Egal wie steinig der Weg dahin ist.
Ein Danke möchte ich an Alex richten, der mich immer unterstützt und mir zeigt, wie und dass es geht. An meine Trainerin Renate, die das Beste aus mir rausholt und an meine Familie, die diesen Wahnsinn mitmacht und unterstützt.
Ergebnisse aller LTC-Athleten:
Flo Talos 4:40:03
Wolfgang Pflamitzer 4:53:07
Alex Schwarz 5:18:17
Renate Pflamitzer 5:34:59
Karin Zmugg 5:35:48
Birgit Stuhl 6:42:00


